„Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele!“ Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818–1888)

Die Genossenschaftsidee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen ist heute aktueller denn je. Weltweit gibt es ca. 1 Milliarde Genossenschaftsmitglieder in über 100 Ländern. Mehr als 100 Millionen Arbeitsplätze werden von Genossenschaften bereitgestellt. Kreditgenossenschaften, ländliche und gewerbliche Genossenschaften fördern in allen Regionen der Welt die gemeinsamen Interessen ihrer Mitglieder und leisten damit einen wertvollen Beitrag für die Regionen. Sie unterstützen die Wirtschaftskreisläufe vor Ort und sorgen für lokale Beschäftigung.

Was ist eine Genossenschaft?

Eine Genossenschaft ist ein Zusammenschluss von natürlichen bzw. juristischen Personen (Gesellschaften mit beschränkter Haftung, Genossenschaften, Aktiengesellschaften, Vereine u.a.), welche gemeinsam eine unternehmerische Tätigkeit ausüben. Zweck einer Genossenschaft ist es, die wirtschaftlichen, sozialen oder kulturellen Belange ihrer Mitglieder zu fördern. Nicht das Kapital, sondern der Mensch steht im Mittelpunkt, sprich die wirtschaftliche Förderung und die gegenseitige Unterstützung der Mitglieder. Dies bedeutet, dass für die Mitglieder ein besserer Preis, eine bessere Entlohnung oder bessere Lebensbedingungen geschaffen werden. Genossenschaften arbeiten kostendeckend. Die erzielten Gewinne dürfen nicht an die Mitglieder ausbezahlt werden, sondern werden zur Erfüllung des  Förderauftrages genutzt und sichern somit langfristig den Fortbestand der Genossenschaft.

Welches sind die Merkmale und Werte einer Genossenschaft?

Viele Genossenschaften werden aufgrund eines aktuellen Bedürfnisses oder aus einer Notwendigkeit heraus gegründet und bieten Hilfe zur Selbsthilfe. Jeder Einzelne trägt mit seinen Fähigkeiten, Kompetenzen und Kapazitäten zur Leistungsfähigkeit der Gemeinschaft bei. Die Grundsätze der Selbsthilfe, der Selbstverwaltung und der Selbstverantwortung werden dabei groß geschrieben. Genossenschaften bieten ihren Mitgliedern ein hohes Maß an Eigeninitiative, Selbst- und Mitbestimmung. Die Mitglieder sind gleichzeitig Miteigentümer, Entscheidungsträger und Geschäftspartner. Entscheidungen werden demokratisch getroffen – jedes Mitglied hat das gleiche Stimmrecht, unabhängig von seinen Anteilen. Genossenschaften können jede unternehmerische Tätigkeit ausüben, sofern nicht die Gewinnspekulation, sondern ein genossenschaftlicher Förderauftrag im Vordergrund steht. Genossenschaften gelingt es Wirtschaftlichkeit und soziale Verantwortung zu verbinden.

Immaterielles Kulturerbe

Die Genossenschaftsidee wurde Ende 2016 von der UNESCO in die Liste des „Immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ aufgenommen. Damit wird der Bedeutung der Genossenschaften Rechnung getragen:  heute sind 1 Milliarde Mitglieder in über 100 Ländern  genossenschaftlich organisiert.

Das Genossenschaftswesen in Südtirol

In Südtirol hat das Genossenschaftswesen eine große wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung. Seine Ursprünge reichen in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Ziel der Genossenschaften war es, die durch die Industrialisierung verarmte ländliche Bevölkerung zu unterstützen, ihre Lebensgrundlage zu sichern und Wohlstand zu schaffen. Zunächst entstanden Landwirtschafts-, Energie- und Kreditgenossenschaften. Sie  gaben der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes einen entscheidenden Impuls. Die erste Sennereigenossenschaft wurde 1871 in Niederdorf gegründet, der erste Spar – und Darlehenskassenverein entstand 1889 im Gadertal unter dem Ortspfarrer Josef Dasser. Die erste Obstgenossenschaft wurde 1893 in Meran gegründet. Heute kann Südtirol eine rege und gut vernetzte Genossenschaftstätigkeit vorweisen. Es gibt im Land über 1.000 Genossenschaften, davon sind über 300 Genossenschaften im Raiffeisenverband Südtirol organisiert.