Friedrich Wilhelm Raiffeisen wurde am 30. März 1818 in Hamm an der Sieg in Deutschland als siebtes von neun Kindern geboren. Raiffeisen wird religiös erzogen und seine Kindheit ist von Geldnöten geprägt, ein Studium ist nicht finanzierbar. Mit 17 Jahren meldet er sich freiwillig zum Militär und bereits als 27-Jähriger wird er Bürgermeister von Weyerbusch. Raiffeisen war sehr bürgernah, hörte sich die Nöte und Sorgen an und versuchte sie zu lindern. Erste Schwerpunkte in seiner Amtszeit waren der Straßen- und Wegebau sowie das Schulwesen.

F.W Raiffeisen

Aktiv gegen die Not

Im Jahre 1845 stand Raiffeisen erneut vor einer Herausforderung. Nach Vulkanausbrüchen in Asien und Pazifik veränderte sich das Klima in Europa, was zu einem geringen Ernteertrag und zu Hungersnöten führte. Die Lebensmittelpreise explodierten. Auf Antrag von Raiffeisen lieferte die Regierung Brotgetreide, welches jedoch nur gegen sofortige Bezahlung abgegeben werden konnte. Die ärmliche Landbevölkerung war dazu nicht in der Lage, daher handelte Raiffeisen eigenmächtig und gab die Lebensmittel gegen Schuldscheine heraus. Er gründete den Hilfsverein„ Weyerbuscher Brodverein“, bei dem wohlhabende Mitbürger ihre Ersparnisse einbrachten, mit denen das Getreide bezahlt werden konnte. Mit dem „Brodverein“ wurde ein Gemeindebackhaus gebaut, das als erste genossenschaftliche Einrichtung gilt. Durch den organisierten, gemeinsamen Bezug von verbilligtem Saatgut, konnten die verarmten Bauern mit den Verkaufserlösen ihre Schulden zurückzahlen.

Sozialreformer und Humanist

Raiffeisen erlebte hautnah die negativen Folgen der industriellen Revolution. Er gründete weitere Hilfsvereine zur Unterstützung von unbemittelten Landwirten und verwahrlosten Kindern. Weiters setzte er sich für die Beschäftigung entlassener Sträflinge und die Errichtung einer Kreditkasse für Bedürftige ein. Die von Raiffeisen gegründeten Darlehnskassenvereine in Anhausen, Engers und Heddesdorf verpflichteten die Kreditnehmer erstmals zur Mitgliedschaft und können daher als echte Genossenschaften bezeichnet werden. Sie gelten heute als erste Genossenschaften im Raiffeisenschen Sinne.

Zeitlose Ideen und Werte

Bereits im Alter von 47 Jahren wurde Raiffeisen aus gesundheitlichen Gründen pensioniert. Er widmete sich fortan verstärkt dem Aufbau des Genossenschaftswesens und veröffentlichte 1865 das Buch „Die Darlehnskassen-Vereine als Mittel zur Abhilfe der Noth der ländlichen Bevölkerung sowie auch der städtischen Handwerker und Arbeiter“. Das Buch wurde ein ungeahnter Erfolg und trug maßgeblich zur Verbreitung des genossenschaftlichen Gedankens bei. Am 11. März 1888 verstarb Raiffeisen an den Folgen einer schweren Lungenentzündung.

Das Wirken von F.W. Raiffeisen wurde zeitlebens von den Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung geleitet. Die Ideale, Ideen und Prinzipien Raiffeisens sind bis zum heutigen Tag weltweit verbreitet und erfolgreich.